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8b Beratungsagentur

Die Wunderfrage im Kinderschutz: Wie du mit einer einzigen Frage Veränderung anstößt 

Wunderfrage Kinderschutz

Probleme lassen sich quasi im Schlaf lösen – zumindest mit der richtigen Methode. Die Wunderfrage ist ein kraftvolles Werkzeug aus der lösungsorientierten Beratung. Sie hilft Einrichtungen in der Kinder- und Jugendhilfe, aus der Problemschleife herauszukommen und konkrete Schritte in Richtung Kinderschutz, Partizipation und Kinderrechte zu gehen.

Was ist die Wunderfrage?

Wie wäre es, wenn sich Probleme im Schlaf lösen ließen? Wer fände das nicht gut? Genau darum geht es bei der Wunderfrage. Sie kann auf verschiedene Weisen gestellt werden, hier eine Möglichkeit:

“Stelle dir vor, über Nacht ist ein Wunder geschehen. Wie es geschehen ist, weißt du nicht. Du hast ja geschlafen. Deine Organisation ist aber jedenfalls in aller Munde, weil sie sich so vorbildlich für Partizipation, Kinderrechte und den Schutz vor Gewalt einsetzt. Welche drei Dinge haben sich verändert?”

Das ist die Wunderfrage. Eine einfache, aber wirkungsvolle Technik aus der lösungsorientierten Beratung. Sie kann angewendet werden, wenn Menschen über Probleme sprechen und sich wie in einer Problemschleife befinden, in der jegliche Lösungsidee oder Lösungsenergie fehlt. Die Wunderfrage ist eine der Techniken, bei denen es um das Simulieren von Modellen der Welt geht und die Fähigkeit, so zu denken und zu handeln, als ob diese schon wahr sind. Wir tun mal so, als ob. Wir wenden sie im Einzelsetting oder in Kleingruppen an.

Warum funktioniert die Wunderfrage?

Die Einfälle, die im Zusammenhang mit der Wunderfrage entstehen, sind fast immer positive Zukunftsfantasien. Du begibst dich (gedanklich, emotional) in einen zukünftigen Moment, in dem das Problem nicht mehr besteht. Durch die Wunderfrage wird deine Fantasie angeregt, dir Änderungsmöglichkeiten vorzustellen. Du entwickelst ein positives Bild (das sogenannte Referenzbild) von dem Zustand, wo es hingehen soll. Das erleichtert die tatsächliche Umsetzung von realen Veränderungsschritten

Das Gehirn behandelt lebhaft vorgestellte Zustände nahezu identisch wie reale – Neurowissenschaftler nennen das funktionale Äquivalenz. Das ist keine Spielerei. Es hat eine neurobiologische Grundlage: Das Gehirn kann nicht gut unterscheiden, ob wir gerade Realität erleben oder uns etwas in Gedanken vorstellen. Deshalb weinen wir im Kino bzw. wenn wir einen Film schauen. Auch Spitzensportler nutzen diesen Mechanismus. Ein Skifahrer, der die Abfahrt vor dem Start im Kopf durchfährt, aktiviert dabei dieselben neuronalen Bahnen wie bei der realen Fahrt – und optimiert so sein Bewegungsprogramm, ohne eine einzige Kurve gefahren zu sein. 

Das Vorwegnehmen eines gewünschten Zustands wirkt also sehr kraftvoll auf unser Denken und Handeln.  

Mit der Wunderfrage lassen sich Probleme also tatsächlich – zumindest ein Stück weit – im Schlaf lösen.

    Konkrete Übung für deine Einrichtung

    So kannst du die Wunderfrage direkt in deinem nächsten Workshop oder deiner Teamrunde einsetzen:

    Vorbereitung

    Du brauchst eine verantwortliche Person, die die Moderation übernimmt und die Wunderfrage stellt. Außerdem solltest Du Klebezettel, Stifte und eine (Pinn)wand als Arbeitsmittel zur Verfügung haben.

    Schritt 1: Klebezettel verteilen

    Teile drei Klebezettel an jede teilnehmende Person aus. Gib fünf Minuten Zeit, um drei Dinge aufzuschreiben, die sich nach dem Wunder verändert haben.

    Schritt 2: Clustern an der Pinnwand

    Lass jede Person ihre Klebezettel nacheinander an die Pinnwand kleben. Die Moderation unterstützt dabei beim Clustern ähnlicher Aussagen. Frag nach, wenn etwas unklar ist.

    Mögliche Fragen an die Gruppe:

    • Was wurde am häufigsten genannt?
    • Was scheint am wichtigsten zu sein?

    Schritt 3: Vom Wunschbild zur konkreten Handlung – 10 Minuten

    Stelle jetzt die entscheidende Frage in die Gruppe:

    „Was kann ich schon heute dazu beitragen, dass dieses Ziel oder dieses Zielbild erreicht wird – oder wir ihm zumindest näher kommen?“

    Nimm dir je nach Gruppengröße dafür etwa zehn Minuten Zeit. Diese Frage überführt die Zukunftsfantasie in konkrete, unmittelbar umsetzbare Schritte. Dokumentiere die Antworten so, dass ihr damit weiterarbeiten könnt.

    Fazit: Veränderung beginnt mit dem richtigen Bild

    Die Wunderfrage ist mehr als eine kreative Übung. Sie ist ein niedrigschwelliges, sofort einsetzbares Instrument, das Teams dabei hilft, aus dem Problemmodus in den Lösungsmodus zu wechseln. Gerade im Kontext von Kinderschutz, Partizipation und Schutzkonzepten – also dort, wo es auf echte Haltung und konkretes Handeln ankommt – kann sie einen wichtigen Impuls geben.

    Du willst raus aus der Problemschleife oder Kinderschutz noch besser strukturell verankern? Wir unterstützen dich dabei – praxisnah und mit traumhafter Expertise. Vereinbare jetzt ein Kennenlerngespräch.

    Foto von Towfiqu barbhuiya auf Unsplash

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